Traditionelle Gerichte: Grünkohl mit Pinkel

Was ist vor allem für die Norddeutschen mit das Schönste am Winter? Ganz klar: die Grünkohlsaison. Deftig zubereitet mit Pinkel, Speck oder Kasseler kommt die „Friesenpalme“ auf den Teller – allerdings nicht vor dem ersten Frost! Denn die Kälte sorgt beim Grünkohl für den klassischen würzig-süßlichen Geschmack.

  1. Krauskohl, Braunkohl, Winterkohl oder Friesenpalme
  2. Deftig und würzig
  3. Der Weg ist das Ziel: Die Kohlfahrt

Krauskohl, Braunkohl, Winterkohl und Friesenpalme

In weiten Teilen Norddeutschlands hat sich Grünkohl als echtes Traditionsessen etabliert. Aber auch in den Niederlanden und in Skandinavien gehört das nährstoffreiche Gemüse fest auf die Speisekarte im Winter. Grünkohl wurden verschiedene Namen verpasst, denn jede Region hat ihre ganz eigene Bezeichnung: Krauskohl, Braunkohl, Winterkohl oder auch Friesenpalme.

Der Grünkohl ist ein heimisches Gemüse, er wird hauptsächlich in Nordwesteuropa angebaut. Europas größtes zusammenhängendes Kohlanbaugebiet ist in der Region Dithmarschen in Norddeutschland. Hier liegt übrigens auch der Ursprung des traditionellen Gerichts „Grünkohl mit Pinkel“.

Deftig und würzig

Darüber, wie ein traditionelles Grünkohlessen aussieht, streiten sich die Bewohner der verschiedenen Regionen. In der Regel wird der Kohl deftig mit Schmalz, Speck, Wurst und Kasseler zubereitet. Dabei wird er je nach Region mit Hafergrütze oder Haferflocken angedickt. Dazu gibt es Brat- oder Salzkartoffeln.

Besonders in Bremen und im Oldenburger Land ist „Pinkel“ die klassische Beilage der Wahl. Diese geräucherte Grützwurst bringt würzigen Geschmack an den Kohl. In den Regionen um Hannover, Hildesheim und Braunschweig wird das Gericht dagegen meist mit Bregenwurst gegessen. Beide Wurstspezialitäten werden typischerweise nur im Winter hergestellt und sind in anderen Regionen eher unüblich. Aber auch Beilagen wie Kasseler, frische Mettwurst, geräucherte Mettenden oder Speck werden zum Grünkohl gereicht.

Der Weg ist das Ziel: Die Kohlfahrt

Im Norden wird der geliebte Grünkohl nicht nur angebaut, sondern auch regelrecht gefeiert. Für viele gehört in jede Grünkohlsaison die sogenannte „Kohlfahrt“. Das mag für alle, die nicht aus Norddeutschland kommen, erst einmal suspekt klingen, macht aber jede Menge Spaß!

Erste Kohlfahrt im Jahr 1586

Erste Überlieferungen eines traditionellen Grünkohlessens stammen aus dem Jahr 1586. In einem Brief berichtet der Gelehrte Justus Lipsius, dass er im Winter auf einer Reise durch das Oldenburger Land auf eine Gruppe adeliger Herren und Honoratioren traf. Sie veranstalteten Kutschrennen und Schlittenfahrten. Zum Aufwärmen wurde Schnaps getrunken und am Ende des Tages bei einem Kohlbauern zum Grünkohlessen eingekehrt.

 

Vielleicht ist dir im Winter schon einmal eine Gruppe Menschen auf der Straße begegnet, die einen geschmückten Bollerwagen hinter sich hergezogen und verschiedene Spiele gespielt hat. Das „Boßeln“ oder auch „Klootschießen“ gehört zum absoluten Pflichtprogramm einer jeden Kohlfahrt: Im Wechsel werfen zwei Teams die Kugel so weit wie möglich und laufen dann hinterher. Das Team mit den wenigsten Würfen für die Strecke der Kohlfahrt gewinnt am Ende. Und manches hat sich seit Beginn der Kohlfahrten nicht geändert: Zum Aufwärmen zwischendurch gibt es immer noch den einen oder anderen Schnaps – und das Ziel einer jeden Kohlfahrt ist nach wie vor ein Restaurant oder Gasthof.

Die Wahl zum Kohlkönig oder zur Kohlkönigin

Höhepunkt einer jeden Kohlfahrt ist die Wahl des Grünkohlkönigs beziehungsweise der Grünkohlkönigin. Hier entscheidet die Anzahl der gegessenen Grünkohlportionen. Wer die meisten Portionen schafft, wird Kohlkönig und muss die Kohlfahrt im nächsten Jahr organisieren.

Hast du jetzt auch Lust auf eine Kohlfahrt mit Freunden – und anschließend auf ein deftiges Grünkohlessen? Wir haben für dich ein leckeres Rezept für dieses traditionelle Gericht parat.